Typische Fehler, die eine Wasserpumpen beschädigen

HEPU.DE > Blog > HEPU TECH Academy | Wasserpumpe > Typische Fehler, die eine Wasserpumpen beschädigen

6 Fehler, die garantiert zum Ausfall führen

EIN LEITFADEN FÜR WERKSTATTPROFIS

Aus Fehlern lernen

Schon einmal darüber nachgedacht, auf wie viele Arten sich eine Wasserpumpe beschädigen lässt? In den meisten Schulungen geht es darum, was beim Einbau zu beachten ist. Nur selten wird gezeigt, was auf keinen Fall passieren darf. Deshalb betrachten wir die Montage einer Wasserpumpe diesmal aus einer völlig anderen Perspektive.

Aus den Fehlern anderer zu lernen, ist oft die wirksamste Form der Weiterbildung. Denn jeder der hier beschriebenen Montagefehler verursacht reale Kosten: für die Wasserpumpe, die zusätzliche Arbeitszeit und im schlimmsten Fall für einen Motorschaden.

Warum es sich lohnt, typische Fehler zu kennen

  • Kostspielige Reklamationen vermeiden
  • Den Sinn wichtiger Montagevorgaben verstehen
  • Riskante Arbeitsweisen in der eigenen Werkstatt erkennen
  • Kunden überzeugend erklären, warum sich Abkürzungen bei der Reparatur nicht lohnen

Fehler Nr. 1: „Passt schon“ – Einbau ohne genaue Prüfung

Die Einstellung „Das wird schon passen“ führt bei Wasserpumpen schnell zum Ausfall.
Ersatzteile dürfen nicht allein nach ihrem Aussehen ausgewählt werden. Die Wasserpumpe muss exakt zum Fahrzeugmodell und zur Motorisierung passen – teilweise bis hin zur Fahrgestell- oder Motornummer. Bei Fahrzeugen des Volkswagen-Konzerns können beispielsweise drei Wasserpumpen auf den ersten Blick identisch aussehen und sich dennoch deutlich unterscheiden:
    •  Laufraddurchmesser: 50 statt 55 Millimeter
    •  Anzahl der Schaufeln: sechs statt acht
    •  Förderleistung: 80 statt 110 Liter pro Minute
    •  Drehrichtung des Laufrads

Nur weil eine Wasserpumpe mechanisch an den vorgesehenen Einbauort passt, bedeutet das noch lange nicht, dass der Motor damit korrekt und zuverlässig arbeitet.

Fehlerart

Mögliche Folge

Förderleistung zu gering

Überhitzung des Motors unter Last

Förderleistung zu hoch

Geräuschentwicklung und erhöhter Riemenverschleiß

Falsche Drehrichtung

Keine Kühlmittelzirkulation → Überhitzung

Falsche Anzahl der Laufradschaufeln

Vibrationen, Geräusche und vorzeitiger Verschleiß

HEPU® Empfehlung: Den Online-Katalog auf hepu.de nutzen und die passende Wasserpumpe eindeutig über die Fahrzeugidentifikationsnummer (VIN) bestimmen.

Fehler Nr. 2: Der Hammer ist keine Lösung

Ein Gummihammer kann verwendet werden. Ein Stahlhammer am Pumpengehäuse nicht..
Schläge auf das Pumpengehäuse können schwerwiegende Schäden verursachen:
  • Verformung des Aluminiumgehäuses um 0,1 bis 0,3 Millimeter
  • Mikrorisse in Kunststoffbauteilen
  • Verschiebung der keramischen Dichtungsringe
  • Blockieren des Laufrads

Die Wasserpumpe funktioniert möglicherweise zunächst noch einige Tage. Danach beginnt sie undicht zu werden oder blockiert vollständig.

Kosten des Fehlers: eine neue Wasserpumpe und der gesamte Arbeitsaufwand für den erneuten Einbau.

Fehler Nr. 3: „Das habe ich im Gefühl“ – Anziehen ohne korrektes Drehmoment

Ein Drehmomentschlüssel-Satz – ausdrücklich ein Satz für unterschiedliche Drehmomentbereiche – gehört heute zur Grundausstattung jeder Werkstatt.
Das korrekte Drehmoment ist längst nicht nur bei Zylinderkopfschrauben entscheidend. Auch beim Einbau von Motoranbauteilen werden immer häufiger exakt vorgegebene Werte verlangt. Ein Kühlmittelregelmodul aus Kunststoff nach Gefühl mit 9 Nm anziehen? Das Gehäuse kann bereits dabei reißen.

Richtiges Anziehen der Schrauben

  • Alle Schrauben von Hand und ohne Kraftaufwand bis zum Anliegen eindrehen.
  • Im ersten Durchgang mit 50 Prozent des vorgeschriebenen Drehmoments anziehen, beispielsweise 5 Nm bei einem Endwert von 10 Nm.
  • Im zweiten Durchgang auf 100 Prozent des vorgeschriebenen Drehmoments anziehen.
  • Die Schrauben über Kreuz festziehen: 1 → 3 → 2 → 4.
  • Drehmomentschlüssel mindestens einmal jährlich prüfen und kalibrieren lassen.

Schraubengröße / Material

Anzugsdrehmoment

Hinweis

M6 / Aluminium

8–12 Nm

Gewinde kann leicht ausreißen

M8 / Aluminium

18–25 Nm

Kalibrierung des Drehmomentschlüssels prüfen

Kunststoffgehäuse

5–9 Nm

Mit besonderer Vorsicht anziehen

Folgen des Fehlers: gerissenes Pumpengehäuse, beschädigtes Kunststoffmodul oder ausgerissenes Gewinde im Motorblock.

Fehler Nr. 4: Silikon – vermeintlich besser als ab Werk

Silikon oder eine andere, nicht ausdrücklich für das Kühlsystem freigegebene Dichtmasse kann eine neue Wasserpumpe schnell beschädigen. Wird zu viel davon aufgetragen, drückt sich die Dichtmasse beim Festziehen nach innen. Dort können sich Silikonfäden um die Welle wickeln, zwischen die Gleitringe gelangen, das Laufrad blockieren und die keramischen Dichtflächen zerstören.

Falls Dichtmasse ausdrücklich vorgesehen ist

  • Nur eine dünne Raupe von etwa 1 bis 2 Millimetern auftragen – keinen 5 bis 10 Millimeter breiten Streifen.
  • Gleichmäßig und ohne Unterbrechungen arbeiten; überschüssige Dichtmasse vermeiden.
  • Die vom Hersteller angegebene Aushärtezeit einhalten.
  • Dichtflächen vorher gründlich reinigen und auf Unebenheiten prüfen.

In den meisten Fällen reicht die vorgesehene Papierdichtung vollständig aus. Auch ein unbeschädigter und korrekt eingesetzter O-Ring dichtet ohne zusätzliche Dichtmasse zuverlässig ab. Zusätzliches Silikon ist dann nicht nur überflüssig, sondern kann Schäden verursachen.

Kosten des Fehlers: eine durch überschüssige Dichtmasse zerstörte Wasserpumpe und der gesamte Arbeitsaufwand für den erneuten Einbau

Fehler Nr. 5: „Nur kurz starten“ – Trockenlauf

3Bereits 30 Sekunden ohne Kühlmittel können eine neue Wasserpumpe zerstören.
Die Pumpe ist montiert, die Steuerzeiten sind eingestellt – jetzt den Motor kurz starten, bevor das Kühlsystem befüllt wird? Schon dieser kurze Trockenlauf kann die Gleitringdichtung stark überhitzen. Die Dichtflächen können verglasen oder festgehen. Die Folge: Die neue Wasserpumpe wird bereits nach den ersten Kilometern undicht.

Die richtige Reihenfolge

  • Wasserpumpe vollständig montieren
  • Kühlsystem bei Bedarf spülen und anschließend bis zur vorgeschriebenen Markierung mit Kühlmittel befüllen.
  • Vorhandene Entlüftungsschrauben öffnen und das System nach Herstellervorgabe entlüften.
  • Erst danach den Motor starten.

Trockenlaufzeit

Mögliche Folge

10–20 Sekunden

Dichtungstemperatur von 100–150 °C; Schäden möglicherweise noch reversibel

30-60 seconds

Dichtungstemperatur von 150–200 °C; Beschädigung der Gleitringe

Mehr als 60 Sekunden

Dichtungstemperatur über 200 °C; vollständige Zerstörung der Dichtung

Kosten des Fehlers: eine innerhalb weniger Sekunden zerstörte Wasserpumpe und der gesamte Arbeitsaufwand für den erneuten Einbau

Fehler Nr. 6: „Beim Kühlmittel sparen“ – nur Wasser verwenden

Bei einer Reparatur im Wert von 600 Euro rund 20 bis 30 Euro am Kühlmittel zu sparen, ist keine Ersparnis. Es ist ein vermeidbares Risiko für einen Motorschaden, der mehrere Tausend Euro kosten kann..
Leitungswasser enthält je nach Region unterschiedliche Mengen an Calcium und Magnesium. Bei Betriebstemperaturen von 90 bis 110 °C können sich daraus Ablagerungen bilden – in Kühlkanälen, am Laufrad und im Bereich der Pumpendichtung. Kalkpartikel wirken abrasiv und können die keramischen Dichtflächen beschädigen. Die Wasserpumpe kann dadurch bereits nach wenigen Tausend Kilometern undicht werden.

Weitere Folgen von reinem Wasser im Kühlsystem

  • Korrosion an Aluminiumbauteilen durch fehlende Korrosionsinhibitoren
  • Frostschäden im Winter durch fehlenden Frostschutz
  • Erhöhter Verschleiß an Pumpendichtungen, Thermostaten und Ventilen durch fehlende Schutzadditive
  • Geringere Siede- und Temperaturreserve bei hoher thermischer Belastung

Variante

Kosten

Mögliche Folge

Leitungswasser

0 €

Ausfall der Wasserpumpe nach 5.000–10.000 km

Günstiges Kühlmittel

24 €

Ausfall der Wasserpumpe nach 20.000–40.000 km

HEPU® Kühlmittel

33–35 €

Störungsfreier Betrieb bis zu 240.000 km

Mehrkosten

9–11 €

Potenziell bis zu 3.200 € Reparaturkosten vermeiden

Kosten des Fehlers: mögliche Schäden an Wasserpumpe und Kühlsystem bis hin zum Motorschaden

Galerie

Die häufigsten Montagefehler

FAZIT

So schnell wird eine Wasserpumpe beschädigt

So schnell wird eine Wasserpumpe beschädigt

Wie die Beispiele zeigen, reichen bereits wenige Fehler bei der Auswahl und Montage aus, um eine neue Wasserpumpe zu beschädigen.

Dazu genügt es:

  • die Wasserpumpe nach Augenmaß statt anhand der VIN auszuwählen
  • sie mit einem Hammer einzutreiben, statt sie vorsichtig einzusetzen
  • Schrauben nach Gefühl statt mit dem Drehmomentschlüssel anzuziehen
  • zu viel Silikon aufzutragen, statt die Dichtmasse sparsam und nach Vorgabe zu verwenden
  • den Motor vor dem Befüllen des Kühlsystems zu starten
  • Leitungswasser statt eines Kühlmittels nach Herstellerspezifikation einzufüllen